Presseberichte zum Papstbesuch in Deutschland

Liebe Mitglieder,

der Pastoralbesuch unseres Papstes in Deutschland ist zu Ende gegangen.

Im Folgenden ein Überblick über die Presseberichterstattung.

Die Rheinische Post fasst zusammen:

Der Papst erinnerte an die zentralen Ereignisse seiner Reise, die ihn nach Berlin, Erfurt und Freiburg geführt hatte. „In der Bundeshauptstadt Berlin hatte ich die besondere Gelegenheit, vor den Abgeordneten des deutschen Bundestags zu sprechen und ihnen Gedanken über die geistigen Fundamente des Staates vorzutragen.“ Die Gespräche mit Bundespräsident und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die augenblickliche Situation des deutschen Volkes und der Völkergemeinschaft seien fruchtbar gewesen. „Besonders berührt haben mich die freundliche Aufnahme und die große Begeisterung so vieler Menschen in Berlin“, sagte er.

Mit Blick auf die Begegnung mit den Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland äußerte der Papst seine Dankbarkeit „für den brüderlichen Austausch und das gemeinsame Gebet“. Wichtig sei aber auch das Zusammentreffen mit orthodoxen und orientalischen Christen sowie mit Juden und Muslimen gewesen.

Bei seiner letzten Station in Freiburg am Sonntag hatte der Papst vor allem innerkirchliche Akzente gesetzt. Bei der größten Messe seiner Reise rief Benedikt XVI. auf dem Freiburger Flughafen die Katholiken zu Papst-Treue auf. Die Kirche werde die Herausforderungen bestehen, wenn Priester, Ordensleute und Laien „in Einheit zusammenarbeiten“, sagte das Kirchenoberhaupt bei strahlendem Spätsommerwetter. Bei einer mit Spannung erwarteten Grundsatzrede im Freiburger Konzerthaus ermahnte Benedikt XVI. am Nachmittag die Kirche, nicht auf weltliche Privilegien zu setzen.

 

Presse zur Papst-Rede: „Ein Jahrhundertereignis“

 

Rheinische Post:

„ein intellektuelles und dennoch flammendes Plädoyer gegen zeitgeistigen Individualismus“

Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„Der Auftritt eines geborenen Deutschen als Repräsentant eines ausländischen Staates, der in seiner Muttersprache seine Landleute auffordert, ein „hörendes Herz“ zu haben, ist ein – um das Mindeste zu sagen – Jahrhundertereignis. “

Süddeutsche Zeitung:

„Er hat diese Aufmerksamkeit verdient, weil er eine große und menschliche, eine beeindruckende rechtsphilosophische Rede gehalten hat.“

Bild-Zeitung:

„Da sprach ein Papst, der keine frommen Worte macht. Der seine Botschaft aus der Weisheit seines Alters, aus der Tiefe seines Glaubens schöpft.“

Financial Times Deutschland:

„Eine qualifizierte Mehrheit der Zuhörer im Reichstagsgebäude wird wahrscheinlich in einer ruhigen Stunde erst mal nachschlagen müssen, was der vatikanische Staatsgast wohl gemeint haben könnte.“

Neue Westfälische:

„Wer selbstkritische Worte erwartet hatte, wurde enttäuscht.“

 Berliner Zeitung:

„Die Ansprache Benedikts im Bundestag sollte anders in Erinnerung bleiben – als Dialogangebot eines katholischen Intellektuellen an die säkulare Welt.“

tz:

„Über abstrakte Philosophie statt konkrete Politik redete der Chef des Vatikans – und verspielte damit eine Chance. Antworten zu weltlichen Problemen von heute blieb der Heilige Vater schuldig.“

 Osnabrücker Zeitung:

„Für den Bundestag sind derart grundsätzliche Ausführungen ein Gewinn. Viel zu selten beschäftigen sich die Abgeordneten mit Fragen, in denen es um die Gefahren des Erfolgs, um Macht und die Grenzen des Mehrheitsprinzips geht.“

Hannoversche Allgemeine Zeitung:

„Es klingt vielleicht pathetisch, aber den deutschen Politikern ist durchaus zu wünschen, dass sie wenigstens die Passage vom ‚hörenden Herzen‘ des Königs Salomon verstanden haben.“

Die Zeit

In seiner Predigt kritisierte Benedikt vor allem „kirchliche Routiniers“, die in der Kirche nur noch den Apparat sähen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre. „Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes“ als die Routiniers, sagte das Kirchenoberhaupt der Katholiken. Das bedeute aber nicht, dass alle, die in der Kirche lebten und für sie arbeiteten, eher als fern von Gott einzustufen wären. „Ganz und gar nicht.“

Die Erneuerung der Kirche könne letztlich nur durch einen erneuerten Glauben kommen und durch Demut, sagte er. Die Christen sollten sich dabei auch von der Glaubensfreude junger Kirchen in der Welt anstecken lassen, sagte der Papst.

Aber kann es anders sein nach einem halben Jahrtausend Abneigung, ja Feindschaft aus Prinzip? Eins ist sicher: Noch nie in der Geschichte des Christentums hat ein Papst so freundlich über Luther gesprochen wie dieser. Es sei für ihn ein bewegender Augenblick, sagte Benedikt, im alten Augustinerkloster mit Vertretern der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) zusammenzutreffen, hier, wo einst ein Luther wirkte, dessen Ringen um einen gnädigen Gott eben keine akademische Angelegenheit, sondern „ein Ringen um Gott und mit Gott“ war. Noch nie hat wohl auch ein EKD-Ratsvorsitzender so freundlich einen Heiligen Vater, an dessen Heiligkeit er nicht glaubt, willkommen geheißen.

An Benedikts Redestil hätte Luther seine Freude gehabt

Man darf ja nicht vergessen, dass jede der beiden Seiten sich hier im Besitz nicht nur der Wahrheit, sondern des wahren Glaubens wähnt. Das ist keine Kleinigkeit. Und deshalb muss man vielleicht doch gnädig hinwegsehen über die steife Atmosphäre. Wir wissen nicht, wie Katholiken und Protestanten sich auf den Fortgang der diplomatischen Liturgie geeinigt haben. Doch dass gleich zu Anfang ein junger evangelischer Lektor die Katholiken ermahnte, dass ihr Zweites Vatikanisches Konzil sie zur Ökumene verpflichte, war mindestens so ungeschickt wie Benedikts peinliche kleinliche Vermeidung des Wortes evangelisch.

Süddeutsche Zeitung (SZ)

Im Bundestag hat Joseph Ratzinger, der Gelehrte, klug geredet und jene beschämt, die ihm nicht zuhören wollten. Als Papst Benedikt jedoch hat er die evangelischen Christen, vor allem aber viele Katholiken brüskiert. Er hat ihnen vorgeworfen, glaubensschwach und strukturverfettet zu sein; die Bemühungen der deutschen Bischöfe, mit den Gläubigen in einen Dialog zu kommen, hat er nicht erwähnt. Der Besuch wird die Gräben in der katholischen Kirche des Landes eher vertiefen. In England hat der Papst die Skepsis ihm gegenüber in Begeisterung verwandeln können – in Deutschland nicht.

Vergesst Gott nicht! Mit dieser Botschaft ist der 84-jährige Papst durch Deutschland gereist, und man spürte in den eindringlichen Passagen seiner Reden, wie sehr diese Sorge Benedikt umtreibt. Der Gottesglaube droht verlorenzugehen, die Anerkennung einer Macht, die über dem Innerweltlich-Menschlichen steht. Und damit drohen für ihn auch die unverkäuflichen Grundsätze in Recht und Politik verlorenzugehen. Das war der rote Faden dieser Reise, die auch vermächtnishafte Züge trug.

Man darf einem Papst nicht vorwerfen, wenn er an Gott erinnert und daran, dass der Glaube in einer modernen Gesellschaft immer ein Skandal ist. Man sollte dies auch nicht einfach als etwas abtun, was ein Papst „halt so sagen“ muss. Im Zeitalter der Vermarktung des gesamten Lebens droht ja tatsächlich auch die Würde der Person, der Schutz der Schwachen, die Freiheit der Andersdenkenden zur Ware zu werden.

Im Bundestag in Berlin hat er deshalb für ein neues Verständnis des traditionellen katholischen Naturrechts geworben: Der demokratische Diskurs hat dort seine Grenzen, wo es um Wert und Würde des Menschen geht, die an keinen Zeitgeist und keine Augenblicksmehrheit verkauft werden können.

Joseph Ratzinger, der Skeptiker der Moderne, ist hier verlustsensibel. Er spürt, dass es Menschen nicht guttut, wenn sie jeden Tag die Maßstäbe ihres Lebens neu finden müssen, wenn an die Stelle der Verlässlichkeit die totale Flexibilität tritt, der Ellenbogen wichtiger wird als das Herz. Am Samstagabend, bei der Vigil, hat er das den Jugendlichen anrührend ans Herz gelegt.

Vergesst Gott nicht – das heißt für den Papst aber auch: Um der Wahrheit willen darf es keine Änderung der katholischen Lehre geben, nicht, wenn es um eine mögliche Annäherung der Kirchen geht, nicht, wenn es um die Reformwünsche vieler Katholiken geht. Diese verlustängstliche Seite des Papstes hat sich umso stärker gezeigt, je länger die Pilgerfahrt dauerte. Der Verlust des festen Glaubens führt in Egoismus und Relativismus, der Relativismus in den Abgrund. Diese Denkfigur war dem Papst in diesen vier Tagen so nahe wie sein allgegenwärtiger Sekretär Georg Gänswein.

Vergisst eine Gesellschaft Gott, ist es nicht mehr weit bis zum Konzentrationslager, hat er dem Zentralrat der Juden gesagt. Geht dem Menschen der Glaube verloren, will er bald nur noch sich selbst verwirklichen, sagte er den Pilgern in Etzelsbach. Der Relativismus habe alle Lebensbereiche durchdrungen, klagte er vor den Laienkatholiken – und dass sie kirchliche Routiniers seien, die zu wenig dagegen täten.

Es ist eine pessimistische Weltsicht, die Benedikt den Gläubigen mit auf den Weg gegeben hat. Wer diese Weltsicht teilt, kann letztlich nicht glauben, dass es auch säkulare Begründungen der Menschenwürde gibt, dass evangelische Christen nicht den Glauben verdünnen, dass Katholiken nicht die Gottesfrage vergessen haben, wenn sie Reformen in ihrer Kirche wünschen. Und dass es eigentlich ein Geschenk Gottes ist, wenn ein Mensch sich selber verwirklichen darf, wenn er zu seiner Wirklichkeit findet. Wer glaubt, hat Zukunft, unter diesem Leitwort stand des Papstes Reise. Aber welche Zukunft kann ein Glaube haben, wenn er so kleingläubig daherkommt?

Das Kleingläubige, aus dem immer wieder die alten Konflikte Joseph Ratzingers mit den Katholiken in Deutschland durchkamen, hat verdunkelt, was Benedikt tatsächlich zu sagen hatte. Ja, die katholische Kirche wird sich in Deutschland schon allein deshalb entweltlichen müssen, weil ihre weltliche Gestalt schwächer werden wird, weil engagierte Christen zur Minderheit werden. Wenn sie nur auf Strukturen starrt, wird sie belanglos werden.

Doch zu sagen: Glaubt nur fest an das, was so von Rom kommt, dann braucht ihr keine Reformdebatte und keinen Dialog – das nimmt die realen Probleme einer Kirche nicht ernst, der im vergangenen Jahr die Mitglieder abhanden gekommen sind wie selten, die darum ringt, wie sie einen Weg zwischen Tradition und Erneuerung finden kann.

Als der weise Salomon König wurde, da hat er Gott gebeten: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz.“ Benedikt hat die Geschichte an den Anfang seiner Bundestagsrede gestellt. Und doch hat Gottes Knecht aus Rom auf der Reise durch Deutschland manches überhört.

Spiegel:

Viel Lob, viel Enttäuschung

Selbst Kritiker überraschte der Papst mit einer glänzenden Rede im Bundes­tag. Doch Protestanten und katholische Reformer hofften verge­bens auf Neues von Benedikt XVI. Auf seiner Deutschlandreise vom 22. bis 25. September 2011 mahnte er zu mehr Vatikan­treue und einer „Vertiefung des Glaubens“.

Freiburg – Papst Benedikt XVI. hat die katholische Kirche in Deutschland überraschend aufgefordert, auf staatliche Privilegien zu verzichten. Bei einer Rede vor 1500 Gästen im Freiburger Konzerthaus sagte der 84-Jährige am Sonntag: „Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben.“

Welche staatlichen Vorrechte der Papst genau meinte, sagte er nicht. Zu den Privilegien gehören in Deutschland die staatliche Einziehung der Kirchensteuer, die finanziellen Staatsleistungen an die Kirchen, der Religionsunterricht an staatlichen Schulen und die theologischen Fakultäten an den Universitäten. Benedikt betonte: „Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln.“

Indirekt ging das Oberhaupt der katholischen Kirche damit auf die Kritik ein, die seine Rede im Bundestag und sein Gespräch mit Verfassungsrichtern ausgelöst hatte: Politiker von SPD, Grünen und der Linkspartei hatten darin ein Verstoß gegen die verfassungsrechtliche Trennung von Kirche und Staat gesehen.

„Die Kirche darf sich nicht der Gegenwart anpassen“

In seiner Rede – die letzte auf seinem viertägigen Deutschlandbesuch – sprach Benedikt XVI. sich auch deutlich gegen eine Modernisierung der katholischen Kirche aus. Die Kirche dürfe sich nicht der Gegenwart anpassen, sondern müsse mehr auf Distanz zur Gesellschaft gehen. Bei seiner Rede vor engagierten Katholiken aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft beklagte er eine „zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben“ und betonte: „Umso mehr ist es wieder an der Zeit, die wahre Entweltlichung zu finden, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen.“

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück, sagte zu der Rede, „Entweltlichung“ der Kirche heiße nicht Rückzug aus der Welt. Die Kirche müsse immer wieder auf allen Ebenen darüber nachdenken, ob sie sich zu sehr an die „Bedingungen des Lebens in unserer Kultur“ gewöhnt habe. „Kirche muss immer eine Herausforderung bleiben“, sagte Glück in der ARD.

Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch sagte am Sonntagabend, dass der Papst nichts gegen die deutsche Kirchensteuer oder den Religionsunterricht an Schulen einzuwenden habe. Bei seiner Mahnung, staatliche Privilegien aufzugeben, sei es Benedikt XVI. nicht um konkrete Regelungen in Deutschland gegangen. „Ich weiß sehr wohl, dass der Papst sehr interessiert daran ist, dass Religion Fach in der Schule bleibt“, sagte Zollitsch, der zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Die Botschaft sei gewesen: „Schaut nicht zuerst auf die Strukturen, schaut nicht zuerst auf die Positionen, die ihr erreicht habt, sondern kümmert euch zuerst um das Reich Gottes und den Geist, und dann – ich darf die Bibel zitieren – wird euch das andere gegeben werden.“

Papst ruft deutsche Katholiken zu Vatikan-Treue auf

Benedikt XVI. betonte in seiner Predigt eine von Gott gegebene Freiheit des Menschen, zwischen Gut und Böse zu wählen. Gott habe seiner Macht selbst eine Grenze gesetzt, „indem er die Freiheit seiner Geschöpfe anerkennt“, sagte der Papst. Gott achte unsere Freiheit, er zwinge uns nicht. „Angesichts alles Schrecklichen, was in der Welt geschieht, gibt es heute Theologen, die sagen, Gott könne nicht allmächtig sein“, sagte der Papst. Der Schöpfer des Himmels und der Erde sei aber allmächtig; er übe seine Macht nur anders aus, „als wir Menschen es zu tun pflegen“. Immer, vor allem in Zeiten der Not und des Umbruchs, sei er dabei den Menschen nahe.

„Auf das Tun kommt es an“

Außerdem wandte er sich gegen religiöse Routine in der Kirche. „Nicht auf das Reden, sondern auf das Tun kommt es an, auf die Taten der Umkehr und des Glaubens“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. „Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes“ als die Routiniers.

Der Papst mahnte eine weiterhin „treue“ Verbundenheit der Kirche in Deutschland mit dem Heiligen Stuhl an. Dann werde sie für die weltweite katholische Gemeinschaft ein Segen bleiben. „Macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr fest in Christus geeint seid“, rief er den Gläubigen zu.